Gruppe 6
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Die Weltwirtschaft: Perspektiven für das 21. Jahrhundert
(aus: Boesch, Joseph und Schläpfer, Rudolf: Weltgeschichte, Band 2, S. 384 f.)
Die weltweite Wirtschaftsrezession nach 1989 ist von einem Wirtschaftswachstum abgelöst worden, allerdings mit enormen regionalen Unterschieden. Während die Wirtschaft in den westlichen Industrieländern stetig wuchs - allerdings bei anhaltend hoher Arbeitslosigkeit - stagnierte sie vor allem in den Rohstoff produzierenden Entwicklungsländern, insbesondere in Afrika, weil die Verschuldung nach wie vor hoch und die Rohstoffpreise relativ niedrig sind. Der plötzliche Zusammenbruch des rasanten Wirtschaftswachstums in den asiatischen Schwellenländern - die «asiatische Krise» 1997/98 - drohte, den weltweiten Aufschwung allerdings rasch wieder zu gefährden. Eine zusätzliche Bedrohung der Stabilität der Weltwirtschaft stellen immer mehr die unberechenbaren und unkontrollierten weltweiten Finanzströme dar. In den meisten ehemals kommunistischen Reformländern Europas war der Tiefpunkt des wirtschaftlichen Niedergangs mehr oder weniger überwunden. Ihre zunehmend am Markt orientierte Wirtschaft wuchs relativ stark wieder, bei sinkender Inflation. Dagegen hält der wirtschaftliche Niedergang in Russland und in den asiatischen Staaten der ehemaligen Sowjetunion weiterhin an. Schuld daran sind wohl vor allem die anhaltenden Machtkämpfe zwischen Reformern und Altkommunisten und die explosiven Nationalitätenkonflikte. Immerhin konnten ethnisch motivierte Bürgerkriege wie im Balkan - mit wenigen Ausnahmen (z. B. Tschetschenien) - bis heute vermieden werden. Weltweit manifestieren sich heute drei politische und wirtschaftliche Tendenzen, die sich teilweise widersprechen. Erstens haben sich ethnische Kriterien in der Politik wieder stärker in den Vordergrund geschoben. Dies manifestiert sich nicht nur in den mit der Auflösung des Ostblocks zusammenhängenden ethnischen Konflikten, sondern auch in der verstärkten Abgrenzung der europäischen Industriestaaten gegenüber ethnisch fremden Einwanderungsbewegungen. Zweitens lässt sich die Tendenz zu einer vor allem wirtschaftlich motivierten Regionalisierung feststellen. Neben den europäischen Staaten haben sich auch die Staaten in Nord- und Südamerika und die Staaten im pazifischen Raum entschlossen, bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts grosse Freihandelszonen mit entsprechenden politischen Institutionen zu schaffen. Drittens setzt sich in der Wirtschaft immer stärker eine Globalisierung durch, der die staatlichen Grenzen und Handelshemnmnisse überwindet. Diese Globalisierung der Wirtschaft wurde einerseits gefördert durch die Revolution der weltweiten Kommunikation und der elektronischen Medien, andererseits durch einen neuen Anlauf zur Verwirklichung des Freihandels, eingeleitet durch das nach langen zähen Verhandlungen 1994 unterzeichnete Massnahmenpaket des GATT («Uruguayrunde»). Das 1947 gegründete Allgemeine Zoll- und Handelsabkommen GATT hatte zwei seiner ursprünglichen Ziele, die Förderung des weltweiten Freihandels und die Gleichbehandlung aller Länder, immer wieder verraten, indem es eine Reihe von protektionistischen Behinderungen des Welthandels unangetastet liess und indem es die Schaffung von regionalen Freihandelszonen mit Vorzugsbehandlung für den Handel (Meistbegünstigungsklausel) mit bestimmten Entwicklungsländern duldete. Die «Uruguayrunde» versuchte, diesen ursprünglichen Zielen wieder vermehrt zum Durchbruch zu verhelfen. Die neue Welthandelsorganisation WTO soll die Umsetzung der beschlossenen Massnahmen überwachen und ein eigenes Schlichtungsverfahren entwickeln. Diese Vereinbarungen von 1994 werden voraussichtlich erst längerfristig im 21. Jahrhundert wirksam werden. Sie dürften vor allem den Industrieländern und den Schwellenländern unter den Entwicklungsländern Vorteile bringen, weil mit einer Zunahme des weltweiten Exports um mindestens 20 Prozent innert zehn Jahren gerechnet wird. Die Rohstoffe produzierenden und Nahrungsmittel importierenden ärmeren Entwicklungsländer dürften dagegen eher zu den Verlierern zählen, weil besonders im Agrarsektor, in der Textilindustrie und beim Technologietransfer weiterhin grosse Beschränkungen des Freihandels bestehen bleiben und weil bis anhin bestehende Handelsabkommen mit Vorzugsbehandlung wegfallen werden. Immerhin war eine gewisse Liberalisierung auch im Agrarmarkt möglich geworden, weil die europäischen Industrieländer ihre bisher hoch subventionierte Landwirtschaft in den neunziger Jahren stärker der internationalen Konkurrenz aussetzten und die Agrarsubventionen vermehrt von der Produktion loslösten (v.a. die sog. Flächenbeiträge). Trotzdem dürfte die Kluft zwischen reichen und armen Ländern weiter wachsen. Bereits 1996 war die wirtschaftliche Lage von 89 meist ärmeren Ländern mit rund anderthalb Milliarden Menschen schlechter als noch zehn Jahre zuvor. Auch in den Gesellschaften der Industrieländer wuchs die Kluft zwischen Reich und Arm seit den siebziger Jahren wieder an, nachdem sie sich in den drei Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst verkleinert hatte.
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