GünzinKar
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Solothurner Literaurtage - Günzin Kar
- Verfasserin des Artikels: Celina Weber
Werk, aus dem vorgelesen wurde
Frau Kar las aus ihrem Buch "Ich Dich auch" vor, dass eine zusammenstellung ihrer Kolumne für die Weltwoche ist, für die sie seit 2004 schreibt. Es ist ein Episodenroman für Paarungsgestörte und erzählt, wie schon so oft, dass Frauen und Männer nicht zusammen passen, es aber trotzdem immer wieder versuchen. Frau Kar hat keine Hemmungen gesellschaftskritisch über das Thema der Sexualität zu schreiben.
Hier noch ein kurzer Originalausschnitt aus dem Buch "Ich Dich auch":
..."Weisst du, wie lange ich keinen Sex mehr hatte? Zwei Jahre», sagt Fatma so laut, dass es der ganze Bus hören kann. «Inzwischen ist bei mir dort unten alles verschimmelt, und bestimmt hocken auch schon Milben drin.» Die übrigen Fahrgäste drehen sich nach uns um, und ich tue so, als wäre nicht ich Fatmas Begleitung, sondern der alte Inder neben uns."...
Fragen, die gestellt worden sind
Nach einer dreissig minütiger Vorlesung ihres Bestsellers, wurde eine offene Fragerunde eröffnet.
Eine Frage lautete: Gibt es denn keine Überschneidungen zwischen dem Beruf der Schriftstellerin und Drehbuchautorin?
Frau Kar antwortete ganz klar mit einem "Ja", denn in der Filmbranche sei es so, dass Dialoge sehr kurz gehalten werden müssen, da ein Film nur zwischen 90 und 120 Minuten dauere. Diese Eigenschaft widerspiegle sich auch in ihrem Roman.
Nun zu einer ganz andere Frage, jemand, der im Publikum sass, fragte Güzin Kar ob sie denn eine Romantikerin sei?
Auf diese Frage antwortete sie eher mit einem "Jein", denn sie findet man müsse zwischen romantik und Poesie unterscheiden. Wenn jemand sie zu einem Candle light Diner einladen würde, wäre sie zu anfang sicher gerührt, würde aber irgendwann einen Lachanfall bekommen, weil sie nichts mit solchen Sachen anzufangen weiss. Sie möge viel lieber die Alltagspoesie, wenn jemand in einem überfüllten Bahnhof, etwas rührendes mieche, für diese Art von Romantik sei sie offen.
Persönlicher Eindruck
Ich ging mit sehr vielen Erwartungen in diese Lesung und wurde absolut nicht entäuscht. Frau Kars Humor und sarkasmus, finde ich absolut genial. Auch war ich nicht die einzige, denn das Publikum brach im minutentakt in schallendes Gelächter aus. Ihre überspitzten Pointen über fehlende Eier, Vergleiche mit Lassie, dem Serienhund oder warum Männer gewissen Körperteilen Namen geben, liessen kein Auge trocken. Ich bin ein absoluter Fan von Schwarzem Humor und von solchen Romanen, die vor Ironie nur so strotzen. Die zweideutigkeit, bei gewissen Textauschnitten, lässt immer noch genug Luft, um seine eigene Fantasie mit ins Spiel zu bringen.
Mein Kritikpunkt geht eher an mich selbst. Da ich mich ein bisschen verspätet hatte und somit einen sehr schlechten Platz ergatterte, nämlich hinter einer grossen Betonsäule, die mir jede Sicht nach vorne versperrte, deshalb konnte ich die Lesung nicht richtig geniessen. Trotzdem bin ich Positiv überrascht von meinem ersten Besuch an den Solothurner Literaturtage.
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