ElisabethBinder
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Solothurner Literaturtage - Elisabeth Binder
Marlen Isch und Anja Reinhart
Autorin
Elisabeth Binder wurde 1951 in Bürglen im Thurgau geboren und lebt nun in Unterstammheim. Sie studierte in Zürich Germanistik und Kunstgeschichte, danach arbeitete sie vorübergehend als Lehrerin und später als Literaturkritikerin. Seit 1994 ist sie freie Schriftstellerin. Elisabeth Binder erhielt die Medallie der Schiller-Stiftung sowie den Förderpreis zum Mörikepreis, Fellbach.
Ihre bisherig publizierten Werke:
2000: Der Nachtblaue, Roman
2004: Sommergeschichte, Roman
2007: Orfeo, Roman
Orfeo
Hans Bauer ist die Hauptperson des 5 teiligen Romans. Er ist ein älterer Mann und lebt zurückgezogen und alleinstehend in der Schweiz. Er macht sich mit dem Zug auf nach Venedig, um dort seine ehemalige Geliebte noch einmal wieder zu sehen. Sie hat ihn vor 40 Jahren für einen andern Mann verlassen und er schickte sie fort. Sie begann ein neues Leben in Venedig. Die Beiden hörten nie wieder etwas von einander, doch Hans konnte Stella, seine einzige grosse Liebe, über die vielen Jahre nicht vergessen. Nun will er, als alter Greis, seine Ex-Frau noch einmal sehen und erfahren, was aus ihr geworden ist.
Elisabeth Binder hat uns an den Literaturtagen aus dem 3.Teil vorgelesen. Er handelt von der Begegnung, den inzwischen alt gwordenen, Stella und Hans. Abwechselnd schreibt Elisabeth Binder aus der Sicht der beiden Protagonisten. Dabei war eindrücklich, wie sie besonders die Schauplätze immer wieder geschildert hat. Doch auch Tiere spielen in ihrem Buch eine zentrale Rolle und führen als Motive durch die ganze Geschichte.
Kurze Textpassage:
"Was aber fing sie nun mit dem alten Mann an, wenn er noch einmal auftauchen sollte? Mit der ganzen alten Geschichte, die ihr plötzlich wieder vor Augen stand. Ihr Leben mit ihm. Sicher, sie hatte ihn geliebt und gewollt, und mit dem Fabrikdirektor verheiratet zu sein war ja auch nicht ganz uninteressant gewesen. Außerdem hatte sie sich damals ziemlich allein gefühlt. So ohne Familie. Und er hatte sie ja auf Händen getragen, auf Händen. Aber auch gehütet wie einen Schatz. Und sie hatte es irgendwann nicht mehr ausgehalten in dieser bewundernden und ängstlich besorgten und allerdings auch eifersüchtigen Aufmerksamkeit. Trotz seiner Liebe, an der sie keinen Moment gezweifelt hatte, seiner vollkommenen Hingegebenheit. Irgendwann war das Leben mit ihm einfach nicht mehr scharf genug, nicht mehr verführerisch genug gewesen. Irgendwann hatte sie sich nur noch nach Freiheit gesehnt." (Seite 87f.) Quelle
Anschliessende Fragen
- Eine Frage von der Moderatorin, Christine Lötscher, war: Welche Rolle spielen die Tiere, abgesehen von der als Freund und Begleiter, für die einsamen Menschen in ihrem Buch und allgemein?
Elisabeth Binder antwortete darauf, dass für sie, wie sie schon zu Beginn der Lesung erwähnte, als sie auf einen Hund im Publikum erfreut aufmerksam machte, Tiere eine bedeutende Rolle haben. Sie seien mehr als nur unsere Begleiter. Wieso aber zum Beispiel, die nun gebrechliche ältere Dame, Stella einen Hund als Begleiter hat, ist auch symbolisch begründet. Denn wir alle kennen das Bild von der alten einsamen Frau, mit dem kleinen Hund als treuen Gefährten. Eine alte Frau, die beispielsweise ihren Mann verloren hat, ist so nicht alleine sondern kann dem tierischen Freund ihre Liebe schenken und das gibt ihrem Leben weiterhin einen Sinn.
- Eine Frage aus dem Publikum lautete: Stand der Schauplatz Venedig für den Roman von Anfang an fest?
Elisabeth Binder erwiederte darauf, dass dieser Schauplatz nicht von Anfang an geplant war, später aber sehr schnell klar war, dass Venedig für diese Geschichte geeignet ist. Es hätte auch in einer anderen italienischen Stadt spielen können, aber Venedig sei eine jedermann bekannte Stadt und voll von Legenden, Mythen und literarischem Geschehen.
Persönlicher Eindruck
Die Atmosphäre im Landhaussaal war angenehm ruhig und gespannt. Die Zuschauer waren vorwiegend weiblich im Alter zwischen 40 und 60 Jahren. Man hat die halbstündigen Lesung von Elisabeth Binder aufmerksam verfolgt. Obwohl wir das Buch nicht gelesen haben, konnten wir uns gut in die Geschichte hineinversetzen. Elisabeth Binder übermittelte bildhaft die Begegnung von Hans und Stella. Ihre Sprache war klar und farbig.
Die anschliessenden Fragen waren interessant, aber wir fanden es schade, dass zu wenig Zeit übrig blieb um weitere Fragen zu beantworten. Die Lesung wurde mit einem positiven Kommentar an Elisabeth Binder aus dem Publikum abgeschlossen, welchen die Autorin dankend entgegen nahm. Für uns war es die erste Lesung, die wir besucht haben, und somit eine positive Erfahrung.
Links und Quellen
Solothurner Literaturtage - Elisabeth Binder
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